StartDidaktikWarum moderne Lernkultur für Unternehmen unverzichtbar ist

Warum moderne Lernkultur für Unternehmen unverzichtbar ist

Die Welt ist im Wandel. Digitale Transformation, Globalisierung und in Deutschland auch der demografische Wandel bringen tiefgreifende Veränderungen. Vor diesem Hintergrund ändern sich auch Berufsbilder und nötige Kompetenzen. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können sich nicht mehr auf ihr Repertoire an Wissen und Fähigkeiten verlassen. Stattdessen müssen Sie kontinuierlich neue Fähigkeiten und Kompetenzen erlernen, um wettbewerbsfähig zu sein. Reskilling und Upskilling werden charakteristisch für beruflichen Erfolg. Vor diesem Hintergrund wird kontinuierliches, lebenslanges Lernen für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zur Notwendigkeit.

Dies gilt ebenso für Unternehmen: Um zukunftsfähig zu sein, müssen sie sich mit den Veränderungen wandeln. Dafür brauchen sie eine moderne Lernkultur. Kompetenzentwicklung und Wissenserwerb dienen einerseits der Wettbewerbsfähigkeit – schließlich wird das nötige Know-How erworben und kultiviert. Andererseits steigern Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Attraktivität des Arbeitgebers, was sich positiv auf die Mitarbeiterbindung und den Gewinn qualifizierter Kräfte auswirkt. In Zeiten von Fachkräftemangel und Employer Branding ein klares Argument. 

Was versteht man eigentlich unter Lernkultur?

Der Begriff „Lernkultur“ umfasst alle Wertvorstellungen, Handlungsweisen und Rahmenbedingungen in einem Unternehmen hinsichtlich des Themas Lernen. Charakteristisch für eine positive, moderne Lernkultur im Unternehmen ist der hohe Stellenwert, der dem Lernen und der Weiterentwicklung zukommt. Eine effektive Lernkultur benötigt förderliche Rahmenbedingungen, wie z. B.  innovative Lernangebote, eine fortschrittliche digitale Lerninfrastruktur sowie eine Lernstrategie. Diese Rahmenbedingungen reichen aber nicht aus. Damit effizientes Lernen stattfinden kann, ist ein passendes Mindset aller Beteiligten essentiell. Das umfasst die Geschäftsleitung genauso wie die Führungskräfte und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

In der Diskussion um das Corporate Learning der Zukunft tauchen vielfach die Begriffe “New Learning”, “Agiles Lernen” und “Lernen 4.0” auf, welche häufig schwammig benutzt und nicht voneinander abgegrenzt werden. Die beiden Lernforscherinnen Prof. Dr. Nele Graf und Prof. Dr. Anja Schmitz definieren diese Begriffe hier. In der Praxis wird das Corporate Learning der Zukunft wohl ein Zusammenspiel dieser Lernkonzepte mit unterschiedlicher Gewichtung darstellen.

Sie fragen sich, was eine moderne Lernkultur kennzeichnet? Im folgenden werden vier Charakteristika beschrieben.

Zentrale Aspekte einer modernen Lernkultur

Lernen ist in den Berufsalltag integriert.

In einer zukunftsfähigen Lernkultur sind Lernaktivitäten und Arbeitsalltag verknüpft. So wirkt Lernen nachhaltig. Traditionell stehen formale Lernangebote wie Classroom-Trainings und standardisierte Online-Kurse im Fokus der Weiterbildungsmaßnahmen. Lernen muss jedoch breiter gedacht werden, denn in der Praxis spielt informelles Lernen eine große Rolle. Das zeigt z. B. das 70:20:10 Modell, demzufolge Kompetenzen zu 70 % durch berufliche Herausforderungen erworben werden. Die Bedeutung informeller Lernformate ist auch eine zentrale Erkenntnis des Ansatzes Modern Workplace Learning von Jane Hart, wonach mehr als die Hälfte der Lernaktivitäten von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern den Bereichen Doing und Discovery zugeschrieben werden, also dem experimentellen Lernen on the Job sowie informellem, selbstorganisiertem Lernen, z. B. Blogposts, Podcasts und Artikel.

Copyright: Infoport

In einer modernen Lernkultur sollte das Potential informeller Lernformen ausgeschöpft werden, indem diese  zielgerichtet kultiviert und unterstützt werden. Um Lernen zunehmend in den Arbeitsalltag zu integrieren, muss es zur Praxis werden, Wissen im Unternehmen weiterzugeben. Außerdem gewinnen Reflexionsformate an Bedeutung, um individuelle Lernprozesse und Lernprozesse im Team bewusst zu machen. Ein Lernformat, welches für eine Integration von Lernaktivitäten in Arbeitsabläufe geeignet ist, ist das Microlearning. Nach dieser Methode absolvieren Lernende kurze Inhalte, z. B. Videos, Quizzes oder Infografiken. Die Zeit für diese “mundgerechten” Snacks ist leichter aufzubringen und über eine längere Zeit wird kontinuierlich Wissen aufgebaut. Es wird also weniger “auf Vorrat” gelernt, sondern vielmehr anhand konkreter beruflicher Anforderungen, also im moment of need. Arbeiten und Lernen verschmelzen – Die Arbeitsumwelt wird zur Learning Landscape, in welcher kontinuierliches Lernen und Wissensaustausch gelebt werden.

Lernen ist flexibel.

Wir befinden uns in der VUCA-Welt, die von Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität geprägt ist, und müssen Methoden finden, uns auf die komplexen, schnell veränderlichen und schwer vorhersehbaren Rahmenbedingungen einzustellen. Lernen bzw. Kompetenzentwicklung im Unternehmen sollten so flexibel und innovativ sein, wie es die Arbeit oft schon ist.

Ein interessanter Ansatz in diesem Zusammenhang ist das Konzept des agilen Lernens. Ziel des agilen Lernens ist eine Anpassung an veränderte Anforderungen und Rahmenbedingungen. Agile Werte und Prinzipien werden auf den Prozess des Lernens adaptiert. Insofern ist agiles Lernen charakterisiert von kurzen und klar strukturierten Abläufen bei gleichzeitiger Flexibilisierung und Anpassbarkeit der Inhalte. Fachliche und methodische Begleiterinnen und Begleiter unterstützen das Lernen und richten es am Bedarf des Unternehmens aus. Echte Bedarfe sollten ermittelt werden und passgenaue Angebote für die jeweilige Lerngruppe entwickelt werden, die aus kleinen Einheiten mit eingebauten Praxiseinheiten bestehen. 

Moderne Lernformate von Infoport Berlin

Außerdem müssen Lernangebote zeitlich und räumlich flexibel verfügbar sein. Dies ermöglicht es Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, darauf zuzugreifen, wann und wo sie die Materialien benötigen. Auf diese Weise werden New Work Strukturen, wie z. B. dem Home Office Rechnung getragen. Außerdem lässt sich Lernen so besser in den Berufsalltag integrieren.

Lernen ist eigenverantwortlich und sozial.

Eines vorweg: Lernen ist immer eine aktive Leistung des Individuums. Der Erfolg einer Lernkultur hängt also entscheidend vom Mindset der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab. Sie entwickeln viel eher eine positive Haltung, wenn sie sich einbringen können. Zudem sind sie Experten der eigenen Bedürfnisse, d.h. sie haben meistens einen guten Einblick, welche Fähigkeiten sie noch benötigen und wie sie Lernen in ihren Arbeitsalltag integrieren können. Eigenverantwortung ist also charakteristisch für die moderne Lernkultur. Die Mitarbeitenden sollten dementsprechend Freiräume und Entscheidungsmöglichkeiten erhalten. Um konkret anwendbares Wissen zu erwerben, muss Lernen naturgemäß individuell erfolgen. Learning Journeys, der Einsatz von KI, content curation und Tools zur Skill Gap Analysis bieten vielversprechende Optionen, um individuelles Lernen zu unterstützen. 

Wichtig ist es, die individuelle Wissensaneignung mit dem Austausch in einer Community zu kombinieren. Knowledge-Sharing ist Trumpf in der modernen Lernkultur. Lernen ist also nicht nur eigenverantwortlich, sondern auch sozial. Wissen wird im Unternehmen geteilt, Know-How im Team und abteilungsübergreifend ausgetauscht. Dabei helfen dialogorientierte Formate wie Mentoring oder Barcamps zum Wissenstransfer. Außerdem eignen sich Formate wie das Job Shadowing, bei dem ein Mitarbeiter einem erfahrenen Kollegen bei der Arbeit über die Schulter schaut, und Peer-Learning Methoden. Die Bedeutung von Netzwerken nimmt zu. Mitarbeitende sind gefragt, ihr Wissen und ihre Erfahrung einzubringen. In diesem Zusammenhang nimmt auch die Bedeutung von User Generated Content zu, d. h. Lerninhalte, die von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern selbst erstellt und zur Verfügung gestellt werden.

Lernen ist digital.

Eine erfolgreiche Lernkultur benötigt eine moderne Lerninfrastruktur. Dazu gehört die Nutzung digitaler Tools. Nur so kann Lernen flexibel und on demand gestaltet werden. Digitale Tools sind im Zuge der digitalen Transformation, der Globalisierung und von New Work unverzichtbar. Es werden digital-virtuelle Lernräume benötigt. Ein modernes Learning Management System (LMS) fungiert als Plattform für Lernangebote und -aktivitäten. Ein wachsender Trend im E-Learning Bereich sind Learning Experience Platforms (LXP). Diese verfolgen nicht das Ziel, die klassischen LMS abzulösen, sondern bieten ergänzende Funktionen. Der Fokus einer LXP liegt auf der Schaffung einer personalisierten, nutzerzentrierten Lernerfahrung, die auf die individuellen Bedürfnisse und Interessen der Lernenden zugeschnitten ist. 

Eine moderne Lerninfrastruktur bietet Tools für synchrones und asynchrones Lernen. Es werden Tools zur Kommunikation und Präsentation benötigt, aber auch kollaborative Tools wie z. B. Mural oder Miro. Web Based Trainings ermöglichen zeit- und ortsunabhängiges Lernen. Es wurde bereits der Trend zum Microlearning angesprochen. Dafür werden passende Materialien bzw. Learning Nuggets benötigt, wie z. B. Erklärvideos oder Talking Head Videos. 

Ist Präsenzlernen vor Ort also veraltet? Auch Lernformate in Präsenz haben ihre Vorteile und sind aktuell. Für sich allein sind sie in einer modernen Lernkultur jedoch nicht ausreichend. Die jeweiligen Vorteile lassen sich gezielt in Blended Learning Formaten kombinieren.

Moderne Lernkultur als Erfolgsfaktor und Benefit

Für den Unternehmenserfolg spielt Lernen und Weiterbildung eine bedeutende Rolle. Im Workplace Learning Report 2023 von LinkedIn Learning wird die Bedeutung kontinuierlichen Lernens betont. Die gezielte Weiterbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie die Etablierung einer Lernkultur werden unter den vier Schwerpunkten in der Personalentwicklung 2023 genannt.

Namhafte Unternehmen werben auf ihren Websites und in Stellenanzeigen ebenfalls mit Möglichkeiten zum Lernen und zur Weiterentwicklung. Um nur einige Beispiele zu nennen: 

  • SAP wirbt auf seiner Website mit Angeboten zur Karriereentwicklung, darunter Online Schulungen und selbstbestimmtes Lernen sowie Lernen im Team. 
  • Die Deutsche Telekom nennt berufliche und persönliche Entwicklung als eine ihrer Arbeitgeberleistungen und verkündet: “Schluss mit dem 0815-Job! Bei uns ist lebenslanges Lernen garantiert. Wir bieten eine Vielzahl an Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, […] Wachsen Sie mit uns über sich hinaus.” (Deutsche Telekom)
  • In einer Stellenanzeige von Infineon am Standort Warstein sind die zwei Benefits, die an erster Stelle genannt werden, die Möglichkeit für Coaching, Mentoring & Netzwerken sowie Trainingsangebot & strukturierte Entwicklungsplanung.

Fazit

Abschließend lässt sich also sagen: Eine moderne Lernkultur ist für zukunftsfähige Unternehmen essentiell. Sie fungiert als Erfolgsfaktor im Wettbewerb und steigert die Arbeitgeberattraktivität. Das Lernen der Zukunft ist in den Berufsalltag integriert, flexibel, eigenverantwortlich und sozial sowie digital.

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