Warum ist mitarbeitergeneriertes Lernen für Unternehmen wichtig?

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Grafik vom Mitarbeitergeneriertem E-Learning
Mitarbeitergeneriertes E-Learning

Knappes Personal, begrenzte Budgets und ein schnelles Verfallstempo von Wissen gehören zu den zentralen Herausforderungen für L&D und Trainingsabteilungen. Durch zentral erstellte Online-Kurse alleine lässt sich der stetig wachsende Lernbedarf in Unternehmen nicht bewältigen.


In diesem Artikel stellen wir eine Methode vor, durch die Arbeitskräfte in L&D-Abteilungen auch unter Bedingungen kurzer Halbwertszeiten von Wissen, klammer Kassen und Personalmangels stets aktuelle und effektive E-Learning-Schulungen erstellen und steigenden Marktanforderungen gerecht werden können.

Was ist mitarbeitergeneriertes Lernen?

Mitarbeitergeneriertes Lernen (englisch Employee-generated Learning, kurz EGL) ist eine L&D-Methodik, bei der das Wissen der Mitarbeiter für die Erstellung von Lerninhalten eingebunden wird. Meist existieren in der Belegschaft eines Unternehmens beträchtliche Fähigkeiten und Kenntnisse, die sich zur Erstellung von E-Learning-Schulungen aktivieren lassen, jedoch meist ungenutzt bleiben.

Mitarbeitende, die über besondere Fachexpertise verfügen, werden befähigt, selbst Online-Kurse, Lernnuggets oder andere Wissensträger für ihre Kollegen und Kolleginnen zu erstellen. Die L&D-Abteilung nimmt in diesem Fall eine vermittelnde und unterstützende Rolle ein, anstatt, wie sonst üblich, selbst E-Learning-Schulungen in Zusammenarbeit mit externen Dritten zu entwickeln. Bei diesem Employee-generated Content handelt es sich somit um einen Bottom-Up-, anstatt um einen Top-Down-Ansatz.


Doch was sind die Vorteile von nitarbeitergeneriertem Lernen? Viele Unternehmen in Deutschland nutzen bereits Employee-generated Learning. Zu den Vorteilen von mitarbeitergeneriertem Lernen zählen insbesondere die hohe Aktualität der Inhalte und die Vielfalt der Themen, die sonst kaum abdeckbar sind. Zeitliche Vorteile können eine Rolle spielen, denn die Abstimmung zwischen Fachexpertise, Trainingsabteilung und ggfs. einem Dienstleister entfällt. Natürlich können auch die
Kosten für externe Dienstleister ein Argument für die interne Erstellung von Online-Kursen sein.


Ein weiterer wichtiger Vorteil von Mitarbeiter-generiertem Lernen ist die individuelle Abstimmung von Lernlösungen auf die spezifischen Bedürfnisse von regionalen Teams. Während im Fall eines konventionellen Vorgehens die zentrale L&D-Abteilung die Produktion der Lernlösungen übernimmt, werden bei Employee-generated Learning die einzelnen, firmeninternen regionalen Abteilungen
befähigt, ihren Fortbildungsbedarf selbst zu decken und können damit auf spezielle Anforderungen in einer Region reagieren.


Nichtzuletzt kann mitarbeitergeneriertes Lernen ein erheblicher Motivationsfaktor sein, da es zu einer stärkeren Anerkennung der Expertise der Mitarbeitenden führt. Es fördert zudem eine Kultur des Wissensaustausches und führt zur Entstehung eines Wissenspools, der häufig die wichtigste Ressource eines Unternehmens ist.

Vorteile von Mitarbeiter-generiertem Content für Ihr Unternehmen

Wie führt man mitarbeitergeneriertes Lernen ein?

Wenn Sie mitarbeitergeneriertes Lernen, bzw. Employee-generated Content erstellen wollen, beschäftigt Sie wahrscheinlich eine zentrale Frage: Wie funktioniert eine erfolgreiche Implementierung von mitarbeitergeneriertem Lernen im Unternehmen? Wir verraten die konkreten Schritte zum Start.

Bereitstellung einer Plattform

Die wichtigste Voraussetzung ist die Bereitstellung eines System des Peer-to-Peer-Wissenstransfers. Als Systeme für Employee-generated Content eignen sich beispielsweise Learning Management Systeme (LMS) oder Plattformen für Wissensmanagement. Wenn Sie Mitarbeiter-generiertes Lernen in einem Unternehmen implementieren möchten, gibt es jedoch einige Kriterien, die immer gelten:

  • Das System ist leicht zu erlernen.
  • Das System kann leicht in die bestehende Unternehmensinfrastruktur eingebettet werden.
  • Ein Autorenwerkzeug muss es einfach machen, neue Inhalte zu erstellen.

Didaktische Schulung der Fachexpertinnen und -experten

Die Mitarbeiter, deren Fachexpertise Sie für mitarbeitergeneriertes Lernen nutzen möchten, benötigen eine didaktische Schulung. Ein Spezialist zu sein, bedeutet noch nicht, das Wissen auch professionell kommunizieren zu können. Die Schulung ihrer internen Fachleute kann zum Beispiel durch Bereitstellung eines Leitfadens zur Erstellung von E-Learning-Schulungen über das unternehmenseigene Intranet oder durch Online-Kurse geschehen. (Zum kostenlosen Online-Kurs “So planen Sie ein E-Learning-Projekt”, geht es hier.) Am besten ist jedoch ein persönliches Coaching für die betreffenden Mitarbeiter.

Umgang mit Autorenwerkzeugen

In manchen Unternehmen pflegen die Fachleute die Inhalte direkt in ein Autorenwerkzeug ein. Viele Autorenwerkzeuge wie z. B. iSpring, Articulate Rise.

Wertschätzende Kommunikation

Die Einführung von mitarbeitergeneriertem Lernen in Unternehmen verläuft nicht immer reibungslos. Es gilt, etwaige Sorgen der Mitarbeitenden ernstzunehmen und, wenn möglich, zu entkräften. Beispielsweise haben manche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Ängste, sich durch Teilen Ihres Wissens überflüssig zu machen. Hierfür kommt es entscheidend auf die richtige Kommunikation gegenüber den betroffenen Teams, Führungskräften und HR an.

Anreize schaffen zum Teilen von Wissen

Ohne eine Kultur des Wissensaustausches droht die Einführung von Employee-generated Learning in Unternehmen zu scheitern. Die Kultur des Wissensaustausches kann durch Anreize gefördert werden.

Beispielsweise können Gehaltserhöhungen und Boni durch Anreizverträge an die Weitergabe von Wissen an Kollegen gekoppelt werden. Die Voraussetzungen können auch subjektiver sein. In dieser Forschungsarbeit untersuchen Katlijn Haesebrouck, Alexandra Van den Abbeele und Michael G. Williamson, wie Motivation zum Teilen von Wissen in Unternehmen entsteht. Die NASA beispielsweise zieht das Teilen von Wissen und Mentorenverhalten für Entscheidungen über Beförderungen und Boni heran, was von anderen Teammitgliedern evaluiert wird.

Wann eignet sich Employee-generated Content nicht?

Bei risikoreichen Themen wie insbesondere juristischen Themen, bei denen bereits kleine Fehler katastrophale Auswirkungen haben können, sollte die Erstellung von Lerninhalten nicht den Anwendern überlassen werden. Die Schulungen gehören dann in die Hände absoluter Expertinnen und Experten.

Fazit

Bei Mitarbeiter-generiertem Lernen werden betriebsinterne Fachexperten befähigt, E-Learning-Schulungen selbst zu erstellen. Das L&D-Team tritt dabei in den Hintergrund und übernimmt eine lediglich unterstützende Rolle. Dies führt in der Regel zu Entlastungen des L&D-Teams, fallenden Kosten, einem beschleunigten Prozess der Schulungserstellung sowie dem Entstehen eines Wissenspools, der häufig die wertvollste Ressource eines Unternehmens ist.


Wenn Sie Employee-generated Content, bzw. Mitarbeiter-generiertes Lernen einführen wollen, benötigen Sie zunächst einmal eine geeignete Plattform zum Teilen von Wissen mit Authoring Tool, beispielsweise ein LMS. Dabei kommt es vor allem auf die leichte und intuitive Bedienbarkeit an.
Zudem müssen Sie die Mitarbeiter, deren Fachexpertise Sie für Trainings nutzen wollen, didaktisch schulen, denn nicht jeder Spezialist kann sein Wissen auch gekonnt vermitteln. Wie bei allen Veränderungsprozessen kommt es bei der Einführung von Mitarbeiter-generiertem Lernen auf die richtige Kommunikationsweise an.
Sie sollten zudem Anreize dafür schaffen, dass Ihre Mitarbeiter ihr Wissen aktiv mit Kollegen teilen.

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