Was die Bundesregierung zur Digitalisierung der Bildung plant

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Bild vom Bundeskabinett
Bundeskabinett der Ampelkoalition in Berlin - Foto: Handout Bundesregierung / Steins

Kapitel zu Digitalisierung der Bildung im Wortlaut

Im Vertrag der Ampelkoalition wurde die Digitalisierungsstrategie der neuen Bundesregierung schon grob vorgegeben. Doch nun soll es endlich konkreter werden, auch mit der Digitalisierung der Bildung. Allerdings sieht der Entwurf des Strategie-Papiers, das am 5. Juli 2022 in die Abstimmung unter den Ressorts ging, bislang kaum die Leuchtturm-Projekte vor, die Digitalminister Volker Wissing (FDP) in Aussicht gestellt hat.

Immerhin beginnt das 30-seitige Papier, das dem eLearning-Report vorliegt, mit einer realistischen Selbsteinordnung:

Deutschland braucht einen umfassenden digitalen Aufbruch. Wir sind zwar Europas industrieller Motor und eine der stärksten Volkswirtschaften der Welt. Aber beim Zukunftsthema Digitalisierung rangieren wir seit Jahren nur im Mittelfeld. So liegen wir im europäischen Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI) nur auf Platz elf von 27 EU-Mitgliedstaaten. Das kann und darf uns nicht genügen, wenn wir im internationalen Wettbewerb auch künftig in der ersten Liga spielen wollen.

Mit der Strategie will das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) „den Umsetzungsstau der vergangenen Legislaturperioden endlich auflösen“. Sie soll dabei als „Gesamtansatz“ und „Dachstrategie“ fungieren. In dem Papier sollen nicht alle Einzelmaßnahmen der Ministerien aufgelistet werden. Vielmehr soll ein gemeinsamer Rahmen definiert werden, in dem dann auch fachspezifische Strategien und Maßnahmen erfolgen können.

Beim Thema Bildung und Weiterbildung bekennt sich die Bundesregierung dazu, die Bildung umfassend zu digitalisieren. Außerdem soll das Interesse für die Ausbildung und das Studium im MINT-Bereich gezielt gefördert werden. Um dem Fachkräftemangel in diesem Bereich entgegenzuwirken, hat das Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) bereits im Juni den „MINT-Aktionsplan 2.0“ ins Leben gerufen. Außerdem möchte die Ampelkoalition bis zum Ende ihrer Legislaturperiode den Digitalpakt 2.0 mit einer Laufzeit bis 2030 abschließen. Allerdings fehlen in dem Papier Angaben – wie die Neuauflage des Digitalpaktes konkret aussehen soll.

Hier das Kapitel zu Digitalisierung der Bildung im Wortlaut:

Bildung in allen Lebensphasen

Digitalkompetenzen, digital geprägte Qualifikationen und eine entsprechende Bildung werden in allen Lebensphasen zur Grundvoraussetzung für Selbstbestimmung, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Wohlstand. Um die individuelle Beschäftigungsfähigkeit und die technologische und soziale Innovationskraft des Wirtschaftsstandortes zu sichern, sind zudem mehr und gezieltere Investitionen in Aus- und Weiterbildung notwendig.

  • Wir werden mit gezielten Förderungen das Interesse für Ausbildung oder Studium in MINT-Berufen verbessern und damit zur Sicherung der Fachkräftebasis beitragen
  • Wir werden den DigitalPakt für Schulen nachhaltig gestalten. Dazu werden wir mit den Ländern, die bisher erreichten Ergebnisse bilanzieren und die weiteren Bedarfe erheben, um in dieser Legislaturperiode einen Digitalpakt 2.0 mit einer Laufzeit bis 2030 abzuschließen. Dabei sollen die Prozesse deutlich einfacher und flexibler gestaltet werden.
  • Wir gestalten und treiben den bildungspolitischen Prozess zur Entwicklung eines Digitalen Bildungsraumes mit einer Nationalen Bildungsplattform (NBP) gemeinsam mit unseren Partnern voran. Im Zusammenspiel mit der Domäne Bildung in GAIA-X ermöglichen wir so eine individuelle digitale Bildungsreise über die einzelnen Bildungsbereiche hinweg. Die NBP wird Bildungseinrichtungen und -anbieter, Content-Produzenten zu einem interoperablen Bildungs-Ökosystem verbinden.
  • Wir werden die Kompetenzbildung in Zukunftsfeldern wie Software und Künstliche Intelligenz unterstützen und fördern Austausch und Vernetzung im Kontext digitaler Hochschulbildung.
  • Mit der Initiative YouCodeGirls entwickeln wir ein Angebot, um Frauen frühzeitig auf ihrem Bildungsweg in Digitalisierung, Informationstechnologie und Programmierung zu stärken. So helfen wir, Geschlechter-Stereotype in der Berufsorientierung zu durchbrechen und leisten einen Beitrag zur nachhaltigen Steigerung des Anteils von Frauen in IT-Berufen.

Wir wollen uns 2025 daran messen lassen, ob:

  • ein interoperables Bildungs-Ökosystem etabliert ist, das einen chancengleichen und barrierefreien Zugang zu digitaler Bildung eröffnet und von den Menschen in allen Lebensphasen aktiv genutzt wird.
  • es Weiterbildungsinteressierten leichter fällt, passende Weiterbildungen und Fördermöglichkeiten zu finden und so neue Kompetenzen für die digitale Transformation zu erwerben
  • es Unternehmen leichter fällt, passende Angebote zu finden, um die Qualifizierungsbedarfe ihrer Beschäftigten zu decken und sich so zukunftssicher aufzustellen.
  • die Initiative YouCodeGirls einen breiten Kreis von Nutzerinnen erfolgreich beim Erwerb von Coding-Kompetenzen unterstützt und in der Entscheidung für IT-Berufe bestärkt.

Nationale Online-Weiterbildungsplattform (NOW!)

Mehr und leichter passende Weiterbildung für die Arbeit von morgen finden Elena arbeitet in einem kleinen Unternehmen in der Veranstaltungsbranche. Während der Corona-Pandemie ist die Arbeit notgedrungen sehr viel digitaler geworden, da anstelle von Präsenzformaten hybride und virtuelle Veranstaltungen zu organisieren und durchzuführen waren. Sich daran zu gewöhnen, ist ihr schwergefallen. Elena macht sich deshalb zunehmend Sorgen, ob sie in Zukunft beruflich noch mithalten kann.

Um ihre digitalen Kompetenzen zu verbessern, fasst sie den Entschluss, eine Weiterbildung zu machen. Durch eine Anzeige wird sie zufällig auf ein Online-Angebot der Bundesagentur für Arbeit aufmerksam. Die Weiterbildungsplattform hilft ihr dabei, eine passende Qualifizierungsmaßnahme zu finden. Auf der Plattform erfährt sie außerdem, dass es einen Zuschuss für die Weiterbildung gibt, der für sie in Frage kommt und den sie direkt online beantragen kann.

Elena schließt die Weiterbildung erfolgreich ab und ist beruflich nun deutlich breiter und besser für die Zukunft aufgestellt.

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